Arbeitseinsatz bei Maria

17. Mai 2014

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Ich mag Poesie, daher zu Beginn ein kleines Gedicht zur Feier der Möhre!


Möhrenlied


Pasteten hin, Pasteten her,
Was kümmern uns Pasteten?
Die Kumme hier ist auch nicht leer
Und schmeckt so gut als bonne chère
von Fröschen und von Kröten.


Und viel Pastet und Leckerbrot
verdirbt nur Blut und Magen.
Die Köche kochen lauter Not,
sie kochen uns viel eher tot;
Ihr Herren, laßt euch sagen!


Schön rötlich die Möhren sind
und weiß wie Alabaster!
Sie däun sich lieblich und geschwind
und sind für Mann und Frau und Kind
ein rechtes Magenpflaster.


nach Matthias Claudius: Kartoffellied (erschienen irgendwann um 1780 herum)



Am Samstag, 17. Mai, machten sich 11 Sterngartenodysseeler und zwei Kinder auf nach Taucha, zum Arbeitseinsatz in Marias Betrieb. Die meisten fuhren mit dem Zug, Ognyan holte uns in Taucha mit dem Auto vom Bahnhof ab. Es kamen auch noch zwei Leipziger und zwei aus Halle dazu, und so waren wir eine richtig große Gruppe. Zuerst lauschten wir gespannt den Erläuterungen Marias bei einem ersten kleinen Rundgang. Sie zeigte und erklärte uns vor allem die Gründüngung, bei der stickstoffhaltige Pflanzen (Leguminosen) angebaut werden, um sie in den Boden einzuarbeiten.


Disteln und andere „Unkräuter” sind nicht so nützlich für Möhren wie die Leguminosen und daher war es unsere Aufgabe, das Feld zu jäten. Die Möhrenpflanzen, vor rund einem Monat ausgesät, waren ungefähr einen Zentimenter hoch und noch ganz zart. Wir hatten zwei Geräte zur Arbeitserleichterung zur Verfügung: ein „Fahrrad” und eine „Raupe”. Beide „Maschinen” erlaubten es drei Personen, liegend übers Feld zu fahren und somit in einer halbwegs bequemen Position die störenden Pflanzen zu entfernen. Mit Gesprächen und Bluesreimen ließ sich die Arbeit prima bewältigen, auch weil das Wetter super mitspielte und es weder regnete, noch die Sonne uns zu sehr auf den Kopf knallte.


Einer Gruppe von uns wurde parallel eine nicht minder verantwortungsvolle Aufgabe übertragen: Die Verkostung von Möhren. Maria hatte einige Kisten Karotten gelagert und wollte daraus Saatgut gewinnen. Dafür brauchte sie die geschmacklich „Besten der Besten”, die noch erschmeckt werden mussten. Wir teilten also die Möhren, schnitten dünne Scheiben ab und kosteten, ob sie schön süß oder eher fade schmeckten. Was für eine wunderbare, schmackhafte Arbeit!


Fast wäre für die Möhrenverkoster kein Mittagessen mehr nötig gewesen, eine grüne Stärkung in Form von Salat, Frühlingszwiebeln und Spinatsuppe mit Reis und Rote Beete (gekocht von Ognyan - vielen Dank!) sowie andere mitgebrachte Köstlichkeiten boten dann aber doch eine gute Abwechslung und die Möglichkeit, alles über die neue Leipziger Gruppe zu erfahren. Bei einem nachmittäglichen Rundgang zeigte uns Maria dann noch das Kartoffel- und das Rote-Beete-Feld. Im Gewächshaus konnten wir Tomaten, Gurken, Bohnen sowie schießende Salate (zur Saatgutgewinnung) bestaunen.


Durch ihre Führung wurde mir bewusst, wieviel Handarbeit und Umsicht in den ganzen Gemüsen steckt. Maria muss unglaublich vieles im Blick behalten, sich um Schädlinge kümmern, mit Misserfolgen umgehen und normalerweise alles planen, denn der Großhandel möchte drei Wochen im Voraus wissen, was geliefert wird. Da die Ernte jedoch nicht immer so planbar ist, erlaubt ihr die Versorgungsgemeinschaft vor allem, Gemüse spontan abzugeben und so eine stabilere Einkommensgrundlage zu haben.


In Marias Erklärungen wurde für mich nochmal die Essenz der solidarischen Landwirtschaft deutlich. Ich war das erste Mal bei einem Arbeitseinsatz dabei und nahm am Abend, auf dem Heimweg zurück nach Berlin, das schöne Gefühl mit, zu wissen, wo mein Essen herkommt und selbst etwas dafür getan zu haben. Ich hätte gern mehr davon!


Christiane (Friedenau)




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