Mulchen in Taucha

30. Mai 2015

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Der bisher größte Arbeitseinsatz in der Geschichte der Sterngartenodyssee


Unsere Fahrt nach Leipzig am 30. Mai 2015 beginnt am Berliner Südkreuz mit Regen, und Fragen. Wie heißt du? Woher kommst du? Mit schalkhaftem Starrsinn beantwortet das mitreisende Kind die Fragen nicht und gibt Anlass zu Rätseln, die uns den Tag über begleiten. Was wird immer größer, wenn man etwas weg nimmt? Was verbirgt sich hinter dem schönen Wort „mulchen”? Ich denke dabei an verschiedene Tiere wie Molche, Mulis, Kühe (melken, Milch). Nur der mir eigentlich geläufige Begriff „Rindenmulch” - zerkleinerte Rinde von Fichten, in Vorgärten und auf Spielplätzen ausgetragen - fällt mir nicht ein.


Als Philologin habe ich mich dann zu Hause mit dem Wort „mulchen” beschäftigt. Das Nomen „der Mulch” wurde im späten 20. Jahrhundert - also erst vor kurzem!!! - aus dem Englischen übernommen. Auf Englisch übersetzt man mulch als 'unverrottetes organisches Material'. Es gibt jedoch auch ein altes deutsches Adjektiv mulsch, das 'angefault' oder 'weich' bedeutet. Im Gartenbau ist mulchen als die Bedeckung des Bodens zur Förderung der Gare (was die Beschaffenheit des Bodens meint, damit das Wachstum von Pflanzen unterstützt wird) definiert. In der Milchwirtschaft ist die Mulche aber die Milch, aus der Käse gemacht wird. Meine Assoziation mit Kühen lag also gar nicht so daneben.


Nun aber genug der Theorie, auf zur Praxis! Als wir bei Maria ankommen, sind die Hallenser und Leipziger samt vielen Kindern schon tüchtig am Arbeiten. Wir Berliner bekommen die Gurken im Gewächshaus zugeteilt, die anderen haben mit den Tomaten angefangen. Das Grün wird frisch auf dem Feld geschnitten, gehäckselt, in Kisten verteilt und im Gewächshaus ausgebreitet. Wir machen Ketten zum Tragen der Kisten und wühlen mit Genuss im gut riechenden Mulch. Direkt um die Pflanze herum muss ein Loch bleiben, da die Gurken und Tomaten nicht stark genug sind, um einen Mulchteppich zu durchstoßen. Das Grün ist nämlich recht lang geschnitten und bildet so ein dichtes, verknotetes Netz.


Wir sind an diesem Tag 29 Erwachsene und 9 Kinder. Da gibt es noch genug Arbeitskräfte für das Möhrenjäten auf dem Feld. Und Maria sammelt dazu Kamillenblüten. Es bleibt natürlich auch Zeit für eine ausgiebige Mittagspause. Mit Napfkisten zaubern wir gemeinsam ein Büfett mit vielen selbstgemachten Köstlichkeiten: Nudelsalat, Couscoussalat, grüner Salat, Blätterteigtaschen, Brot mit Aufstrichen, Schokokuchen, Rhabarberkuchen. Familien mit Kindern sind große Portionen gewöhnt, da haben viele eine Schüssel mitgebracht und es ist genug für alle da.


Am Nachmittag führt uns Maria durch die Felder. Der Wind streicht durch den hohen Weizen, der mit tausenden Kornblumen gesprenkelt ist. Ein Milan kreist über uns. Ich genieße den weiten Ausblick, die üppig wachsende Natur und den weiten Himmel. Dann zeigt uns Maria noch ihr neu errichtetes Präparatehäuschen. Ein kleiner Raum, in dem die von ihr selbst hergestellten Präparate aus Kamille, Baldrian oder Schafgarbe in einem besonderen Klima aufbewahrt werden können. Ich hätte gerne noch mehr ihren Ausführungen gelauscht, aber der Zugfahrplan trieb dann ein wenig zur Eile. Der schöne Tag in Taucha ging leider viel zu schnell zu Ende.


Und was ist nun des Rätsels Lösung auf die Frage vom Anfang: Was wird größer, wenn man etwas weg nimmt? Die offizielle Antwort ist: ein Loch. Die Sterngartenodysseeantwort ist: Wenn ich Gemüse, Zeit und Erfahrungen mit vielen Menschen teile, wächst mein Gefühl in der Welt zu Hause zu sein.


Christiane (Friedenau)



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