Sommerfest in Langeneichstädt

27. Juni 2016

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Langeneichstädt liegt in einer weiten Ebene. Neben den Feldern von Johannes befindet sich eine Schweinemastanlage und das Dorf. Auf einem kleinen Hügel steht eine Lagerhalle. Daneben tummeln sich Hühner im Gehege und davor recken Obstbäume ihre Zweige in die Höhe. Ein Walnussbaum spendet Schatten. Hier waren am Sonnabend nach dem Johannistag Tische aufgebaut, fürs Buffet beim Sommerfest.


Der Nachmittag war heiß und schwül, als wir ankamen. Die warme Luft wogte ungleich und träumend hin und wider, über den Himmel zogen große weiße Wattewolkenpakete. In den Gebüschen leuchteten rot Johannisbeeren und Himbeeren. Die Wiese zwischen den kleinen Obstbäumen war gemäht, das Gras lag noch zwischen den Stämmen. Hier bauten wir unsere Zelte auf. Ein Gummiplanschbecken wurde schnell mit Wasser gefüllt. Die Kinder zogen flugs ihre Kleider aus und stürzten sich ins kühle Nass. Auch ein Wasserschlauch brachte Abkühlung.


Mit Melone und Rhabarberkuchen schlugen wir uns langsam die Bäuche voll. Nach und nach trudelten die Gäste aus nah (Halle) und fern (Dresden) ein. Eine Attraktion stand für die Kinder bereit: eine Rundfahrt mit dem Traktor. Wie im letzten Jahr wollten wir einen Blumenkranz binden. Dafür mussten wir die trockenen Blumen entfernen. Johannes Mutter hatte frische Pflanzen für uns zurecht gelegt. Dann wurde der Mast aufgestellt und der schöne Kranz aufgehängt.


Während wir den Kranz aufhängten, verdunkelte sich der Himmel. Schneller als wir ahnten, prasselten die ersten Regentropfen auf das Buffet. Alle Gäste packten mit an und nahmen die Speisen, die Tische und die Kinder in die Hand und trugen alles unter das Vordach der Halle. Ein kräftiges Gewitter ging hernieder. Mutig brachten wir das Buffet nach dem Regenguss wieder zum Platz unter dem Walnussbaum. Doch das nächste Gewitter ließ nicht lange auf sich warten. Noch einmal stellten wir uns unter.


Dann beruhigte sich das Wetter und die Dämmerung zog langsam auf. Das Holz in der riesengroßen Feuerschale konnte angezündet werden. Wir hielten unsere Stockbrote in die Glut. Eine Flasche Rotwein wurde in die glühenden Späne gelegt. Glühwein im Sommer! Wie im letzten Jahr zeigte uns ein Bekannter der Familie einen rumänischen Kreistanz. Einige von uns waren sehr ausdauernd im Setzen der flotten Schritte.


Es wurde Nacht. Wir sagten einander „Schlaf wohl”, und krabbelten in unsere Zelte. Hier und dort raschelte noch ein Schlafsack, ratschte ein Reißverschluss. Dann wurde es still. Was auf dem Lande sich von selber versteht, die Stille der Nacht, ist doch für den Städter immer wieder ein Wunder. „Wer aus seiner Stadt heraus auf einen Bauernhof kommt und den ersten Abend am Fenster steht oder im Bette liegt, den umfängt diese Stille wie ein Zauber und Ruheport, als wäre er dem Wahren und Gesunden nähergekommen und spüre ein Wehen des Ewigen.”


Am Morgen weckte uns Gänsegeschnatter. Langsam wurden alle munter und es stellte sich heraus, dass wir gerne noch bei der Arbeit helfen wollten. Also los! Zuerst zeigte uns Johannes, wie man Kieselsäurepräparat anrührt. Mit viel Rühren und Schwung! Wir wechselten uns ab und sangen zur Unterstützung ein englisches Volkslied, das uns die Sängerin Lucy mitgebracht hatte.


Dann gingen wir zum Feld. Johannes zeigte uns die Kartoffeln und sogleich erspähten wir einige Kartoffelkäfer. Oh nein! Die können wir hier nicht sitzen lassen. Ruck zuck standen wir zwischen den Pflanzen und sammelten die Käfer ein. Mit Begeisterung tauschten wir unser Wissen und Erfahrungen über die Tiere aus. Manchmal ekelten wir uns, besonders beim Anblick der krabbelnden Käfer im Eimer. Johnannes schmunzelte über unseren Elan. Diese Arbeit war gar nicht geplant!


Nach einer Hühnerbesichtigung und einem Erfrischungsbad im Bewässerungsteich machten wir uns auf den Heimweg. Wie auf dem Hinweg las ich in meinem Hermann-Hesse-Bändchen mit Liebesgeschichten. Aus dieser Lektüre entstand die Inspiration für diesen nun recht ausführlichen Bericht. Meine Lieblingsgeschichte heißt „Heumond” und sei hiermit für die Einstimmung auf oder die Erinnerung an den Sommer wärmstens empfohlen.


Christiane (Friedenau)












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