Sommerfest in Langeneichstädt

27. Juni 2015

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Im Garten von Johannes leben zwei (indische?) Laufenten. Durch unser Kommen wurden sie in ihrem Lebensraum gestört. Dafür bekommen sie nun ein kleines literarisches Denkmal von mir, in der Form eines Laufentenmonologs.


Letztens im Juni, ich glaube es war der Samstag nach St. Johanni, wenn die Schnecken am leckersten und fettesten vom frischen Gras und Salat sind, war in unserem Garten einiges los. Wir hielten gerade unsere gemütliche Mittagsruhe, da tauchten plötzlich unbekannte Menschen auf. Erst zwei, dann sechs, dann zwei mehr, dann nochmal zwei. Und es wurden immer mehr. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Kleine und große. Die kleinen Menschen waren besonders anstrengend. Die finden es nämlich lustig, uns durch die Gegend zu scheuchen. Die großen Menschen waren ganz friedlich. Sie zertrampelten nur unsere wunderschöne Wiese, um Blumen zu pflücken. Mit den Blumen flochten sie einen großen Kranz, der an einer Holzstange in unserem Garten aufgehängt wurde, und kleine Kränze, die sie sich auf die Köpfe setzten. Wenn ich Hände zum Flechten hätte, würde ich mich auch gerne mit einem solchen Blumenschmuck verschönern! Mit dem ollen Klebekraut, das mir immer zwischen den Federn hängt, schien das Kränzemachen einfach zu sein. Beliebt war auch das Johanniskraut, aus dessen Blättern rote Farbe kommt, wenn man sie zerreibt.


Nach dem Kränzemachen setzten die großen und kleinen Menschen sich an Tische und futterten. Ein Mensch hatte einen riesigen Eimer Kirschen mitgebracht. Die Kirschkerne verteilten sich im Garten und ich muss heute noch aufpassen, dass ich nicht aus Versehen einen aufpicke. Ansonsten mampften die Menschen Kuchen. Manchmal fielen Krümel auf den Boden. Beim Futtern schnatterten die Menschen bunt durcheinander wie die Gänse. Nach einer gewissen Zeit stellte sich einer in die Mitte wie ein Hahn bei den Hühnern. Er erzählte eine Geschichte von einer Sterngartenodyssee, keine Ahnung was das bedeutet. Danach kam unser Bauer dran. Er berichtete vom Hofleben und vom Jahreskreis. Er meinte, die Zeit um St. Johanni sei für ihn wie Weihnachten. Bald macht die Natur Sommerpause und wir können innehalten und genießen, was in den letzten Wochen gewachsen ist. Dem kann ich nur zustimmen.


Am Abend ging es mit dem Futtern weiter. Der Grill wurde angezündet, eine Bohnensuppe und jede Menge Salat auf den Tisch gestellt. Wo sind nur die schönen Schnecken aus dem Salat geblieben? Dann machten die Menschenvögel weiter mit merkwürdigen Spielen: Sie stellten sich im Kreis auf, machten laute Musik an, hüpften mal drei Schritte nach links, mal drei nach rechts, mal zwei nach vorn und lachten, weil sie sich die Beine dabei verknoteten. Was für ein Ententanz! Mit unseren Watschelfüßen hätte das aber noch lustiger ausgesehen! Inzwischen hatten einige Menschen kleine Häuser aus Stoff aufgebaut. Ich glaube, dort wollten sie schlafen. Ich bevorzuge den Entenstall, da bin ich sicher vor Raubvögeln. An der Feuerstelle versammelten sie sich aber noch zum Lieder singen und schnattern, schnattern, schnattern. Ich habe ein bisschen gelauscht, wie sie über solidarische Landwirtschaft diskutiert haben. Dann war ich aber müde und habe den Kopf unter die Flügel gesteckt.


Erstaunlich, wie munter die Menschen am nächsten Tag in der Früh waren! Unser Bauer fuhr mit ihnen aufs Feld, um das Unkraut auf dem Zwiebel- und Knoblauchfeld herauszuziehen. Da hatten wir unsere Ruhe und konnten uns in den Schatten legen. Zur Mittagsruhe kamen die Menschen wieder und futterten nochmal. So viel Salat, wie die dabei hatten, kann doch kein Vogel schaffen! Dann verabschiedeten sie sich und hinterließen einen völlig zertrampelten Rasen. Und sie haben angedroht, im nächsten Jahr wiederzukommen. Da möchte ich aber bitte Urlaub in einer Berliner Kleingartenkolonie machen. Ich habe gehört, da gibt es die besten Schnecken in unglaublichen Mengen. Wir müssen also nur noch eine Mitfahrgelegenheit für mich nach Berlin finden!


Christiane (Friedenau)




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